Christoph2

Christoph ist in einem Feriendorf aufgewachsen. Hier verbrachte er mit seinen Brüdern spassige Jahre. Er berichtet, wie er auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens war, indem er in den verschiedensten Religionen nach der Wahrheit suchte.

Ich pflegte eine gute Beziehung zu meinen Eltern, besuchte christliche Jugendclubs, war verrückt nach Fussball und genoss die Freizeit mit meinen Freunden. Für mich war immer klar, dass es einen Gott gibt oder doch zumindest ein Weiterleben nach unserem Tode. Religion, Philosophie und Theologie interessierten mich also von klein auf. Während dieser Zeit war ich engagiert in einer Freikirche und glaubte aus tiefer Überzeugung an den biblischen Gott.  

Als ich dann die Ausbildung zum Kaufmann begann, lernte ich viele neue Leute kennen, die mich faszinierten. Mein Glaube wurde durch die unzähligen Gespräche und vielen Fragen seitens der neu gewonnenen Freunde sehr herausgefordert. Es schien, als würde mir der Boden unter den Füssen weggezogen. Plötzlich schien nichts mehr klar zu sein. Ist Wahrheit überhaupt erkennbar? Kann man von objektiver Wahrheit sprechen? Ist nicht alles subjektive Wahrnehmung? Was überhaupt meint Wahrheit? Ich spürte, dass ich meinen Glauben einer gründlichen Betrachtung zu unterziehen hatte. Vielleicht hatten meine Freunde ja Recht. Ich wollte es gründlich machen, noch einmal vor einem weissen Blatt sitzen und dieses neu beschreiben. Frei von erzieherischen Beeinflussungen, frei von gesellschaftlichen Konventionen. Ich las viele Bücher, führte Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Glaubensrichtungen, besuchte etliche Seminare und war bemüht, so objektiv wie möglich zu bleiben. Nach einigen Jahren war ich der vielen Gespräche müde. Es schien in meinem Leben keine Klarheit zu geben. Das weisse Blatt hatte sich zwar gefüllt. Es war vollgekritzelt mit unzähligen Denkschemen, Religionen und philosophischen Strömungen, aber ohne erkennbares System, ohne Ästhetik, planlos. 

Zu dieser Zeit ging die Beziehung mit einer von mir sehr geliebten Frau in die Brüche. Das war für mich ein Wendepunkt. Ich begann Schritt für Schritt wieder in Beziehung mit dem christlichen Gott zu treten. Ich sprach einfache Gebete und las ab und zu in der Bibel. Ich spürte, dass auf meinem vollgeschriebenen Blatt wieder Struktur entstand. Zeichen um Zeichen, Linie um Linie. Heute besuche ich wieder die Freikirche von damals und arbeite dort in der Jugendarbeit mit. Ich weiss nun viel klarer, wieso ich an den «christlichen Gott» (Jesus Christus) glaube und mich nicht einem agnostizistischen oder polytheistischen Weltbild verpflichtet fühle. Aber ich formuliere diese Zeilen heute vorsichtiger als früher und bin mir völlig bewusst, dass es viele gute Fragen gibt, die mich nach wie vor beschäftigen und die auch nicht einfach so zu lösen oder zu beantworten sind.

Christoph