Festo3

Vergeben löst Freude aus

Festo berichtet, wie er mitten in seinem Alltag mit dem Thema Vergebung konfrontiert wird.

Eines Tages sagte ich etwas, was meine Frau tief verletzte. Ich wollte in die Küche gehen und sie um Vergebung bitten, doch ich schaffte es einfach nicht. Ein wirkliches Bekenntnis, das nicht oberflächlich ist, ist schwer, und von Predigern erwartet man natürlich Heiligkeit. Es ist eine Tatsache: Je höher man steht, desto schwerer ist es, hinunter zu steigen. Und überhaupt, so redete ich mir ein, es war ja alles ihre Schuld. Sie hatte mich provoziert. 

So breitete sich die Kälte aus und meine Frau erschien mir wie eine Fremde. Eine Mauer wuchs zwischen uns empor – nicht so dick, dass wir einander gehasst hätten, aber dick genug, dass wir nicht mehr lächeln konnten.

Ich hatte Zeit, eine lange «Liste» ihrer Fehler zusammen zu stellen, aber das machte mich noch elender. Jesus wusste, dass ich einsam war und dass der Geist betrübt war, also begann er gnädig zu wirken. Es war Sonntagmorgen, als er zu mir sagte: «Bitte, gib mir deine Liste!»

Ich sandte ein: «Aber Herr, das alles hat sie wirklich getan. So hat sie gehandelt.» – «Ja, ich weiss, aber komm. Ich möchte dich frei machen.» – «Ja, Herr.»

«Schön. Also wollen wir einmal einen Blick auf die Liste deiner Sünden werfen.» Ich fand auf einmal heraus, dass meine Liste länger war als ihre, doch Jesus tilgte meine Sünden.

«Und nun geh in die Küche, wo deine Frau unglücklich ist, und sprich mit ihr.» – «Ja, Herr, aber nicht jetzt. Ich habe keine Zeit. Ich muss in die Kirche und predigen. Die Leute warten auch mich.»

«Fein. Dann nimm deine Notizen und predige; aber ich bleibe in der Küche bei deiner Frau.»

Jetzt steckte ich in der Klemme, denn predigen, wenn er nicht dabei ist – das ist schrecklich. Die Bibel bleibt stumm, die Worte fehlen. Was hat es für einen Sinn, so zu predigen? Ich war tatsächlich schon auf dem Weg durch die Tür, da musste ich mich einfach umdrehen und in die Küche gehen.

So ging ich und sagte zu meiner Frau: «Es tut mir leid. Ich habe den Streit verursacht. Ich war kritisch und habe den Herrn betrübt. Ich habe dich vor den Kopf gestossen. Bitte vergib mir!» Normalerweise vergibt Mera mir schnell; aber diesmal war es anders. Sie glaubte, ich täte das nur, weil ich gut predigen wollte und so zuckte sie nur mit den Schultern.

Der Herr gab mir den Gedanken: «Versuch’s nochmals. Beginne weiter unten. Du bist noch nicht genug weit unten. Du erwartest zu schnell, dass sie dir vergibt.» (Nur Jesus vergibt einem immer schnell. Anderen Menschen muss man mehr Zeit lassen, damit der Heilige Geist weiter reden kann. Und wenn dann Vergebung gewährt ist, ist es besonders schön.)

Als sie mir schliesslich vergab, sangen wir gemeinsam ein Lied und umarmten uns in der Küche. Als ich zur Kirche eilte, kam sie mit. Unterwegs sagte der Heilige Geist: «Erzähl den Leuten in der Kirche davon, bitte!» Das fiel mir schwer, aber ich tat es und Gott öffnete an jenem Tag den Weg zur Busse. Aus mir selbst heraus und aus eigener Kraft kann ich nicht so ehrlich sein. Davor habe ich Angst. Es ist mir peinlich. Aber wenn ich hinuntersteige zum Fuss des Kreuzes und dort Jesus begegne, bedeckt seine Gnade meine Sünde. Er vergibt mir meine Schwachheit und Schuld und lässt mich das sein, was ich bin – ein Sünder, dem Vergebung zuteil geworden ist.

Festo